Wie alles begann (Gründungsjahr 1964) – 2. Teil

Die Gemeinde? Der Bürgermeister Wolff, ein Mann der SPD, sagte, für Utting sei jede Art von Belebung grad recht. Er sei der Meinung, der Gemeinderat werde dem Projekt seine Zustimmung nicht versagen. Und der Landrat? Herr Müller-Hahl von der CSU, selbst Segler, hörte aufmerksam zu, erkundigte sich, ob er gegebenenfalls sein Boot dort wohl ebenfalls aufslippen könnte und ließ dann durchblicken, dass man auch mit der Genehmigung des Landratsamtes rechnen könne. Großes Doppel-Uff!!!

Der Bayerische Segler-Verband? Dr. Bullmer meinte, die wilden Segler nähmen leider überhand, da könne die Gründung eines Clubs, wie er mir vorschwebe, eigentlich nur günstig wirken. Waren wir wilde Segler? Na so was!? Auch der andere Segler-Nachbar, der Augsburger Segel-Club hatte keine Bedenken. Zwischen beiden Clubs lag ja schließlich der Uferbereich des Dorfes Utting. Da waren Störungen unwahrscheinlich.

Wie gründet man einen Verein? Moment mal, die eigene Behörde hatte doch eine Rechtsabteilung. Da musste doch jemand Bescheid wissen! In der Tat fand sich ein wohlmeinender Kollege. Er verwies auf eine kleine Druckschrift „Wie gründe ich einen Verein?“, gab Mustersatzungen heraus und versprach auch weiterhin behilflich zu sein.

Das klang alles ganz aussichtsreich. Wer von den „Wir!“ würde mitmachen? Wer welchen Posten besetzen? Wer welche Bedingungen stellen? Nun ja, dachte ich, fragste mal, fragen kostet nichts, und schlauer wirste allemal!

Alfred RussellAlfred Russell sagte sofort „ja!“, er werde sehr gern mitmachen. Im Übrigen habe die MAN in Augsburg eine Lehrlingsabteilung, da könne der erste Takelmeister Alfred Russell bestimmt das eine oder andere bauen lassen. Fritz Braun? Klar, nur dürfe es kein „geleckter Prominenten-Club“ werden. Zu sagen dürfe in dem Club einer nur dann was haben, wenn er selbst ein Boot habe. Es müsse halt ein Schifferlfahrer-Club bleiben. Erich Klinger? Nun ja, er sei eigentlich kein großer Vereinsmeier, aber wenn es kein gar so fürchterlicher Verein würde, ja, dann werde er auch mitmachen. Der „Skipper“? Jawohl, man könne mit ihm rechnen. Auch „Wolfi“ Hochsieder und „die Schulerin“ erklärten, sie würden gern mitmachen, ich solle mal ruhig anfangen.

Fritz und Babs BraunWas nun? Eine Satzung musste her. Ich zermarterte mir mein Hirn, wie man einen Verein gründen könnte, der kein geleckter Club aus der Feudalära werden, sondern eine Gemeinschaft bleiben würde, wie wir sie uns wünschten. Nach einer ganzen Reihe von Einzelbesprechungen war es dann so weit. Ich lud die Herren und ihre Damen in unsere Wohnung in München ein. Wir rangen um jeden Punkt, auch darum, aus welchem Grunde die Damen als passive Mitglieder willkommen wären und dennoch kein volles Stimmrecht bekommen sollten. Des Skippers Frau gab den Widerspenstigen zu bedenken, wie schön es doch sei, wenn man bei seinem Tode ein Inserat bekomme, in dem es dann heißen würde: „Unser liebes Gründungsmitglied …“

 

Herr Ulbricht hatte einen Club-Stander entworfen, der allen gut gefiel, aber wir mussten darüber abstimmen, ob die Farben blau-weiß-rot oder schwarz-weiß-rot sein sollten. Wie so oft in der Politik hing es an einer Stimme. Es war schon arg spannend. Schließlich war das Werk vollendet, und unser neues Parkett war von den stahlbewehrten Pfennigabsätzen der Damen punktiert. Sie hatten bei der Hitze der Diskussionen nicht ruhig sitzen bleiben können. Gut, dass es nur eine Mietwohnung war. Es kam schließlich zur Gründungsversammlung der „Segler-Gemeinschaft Utting e.V.“.

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