Wie alles begann (Gründungsjahr 1964) – 3. Teil

 

Wir bekamen fünf Bojen und einen kleinen Steg genehmigt und durften eine kleine Schräge bauen. Alle gingen mit großem Eifer ans Werk. Die Schräge wurde so lang, daß der erste Protest kam. Wir mußten tatsächlich zehn Meter wieder aus dem See herausbaggern. Als sich herausstellte, daß die Jollen in dem weichen Sand stecken blieben, gelang es, ein paar Flugplatzbleche aus US-Beständen zu beschaffen. Mit „Alle-Mann“ würde die große Fläche über die Schräge in den See getragen.

Alfred Russell ließ bei der MAN eine Ramme bauen, Pfähle und Bretter wurden besorgt, und bald schwamm ein hübscher, kleiner Schwimmsteg vor dem Grundstück. Da er sehr wackelig ausgefallen war, bekam er Ausleger mit Tonnen dran. Die MAN machte es möglich. Wir waren in Betrieb, wir waren eine Segler-Gemeinschaft, und das Seglerleben war wieder schön.

Im Herbst wurde es ernst. Erich Klinger hatte uns das Geheimnis verraten, wie er seine „RAMONA“ ohne Slipanlage mit Hilfe seines Mercedes aus dem Wasser zog. Alfred Russell hatte bei der MAN einen tollen Slipwagen als Lehrlingsaufgabe bauen lassen und dazu auch noch einen fabelhaften Torkran besorgt. Willi Ernst half mit seinem Bulldog. Später konnte Fritz Braun einen „pfennigguten“ LKW beschaffen, den der „saudumme TÜV“ unverständlicherweise nicht mehr zulassen wollte. Die „Dickschiffer“ der SGU schufteten beim Ab- und Aufslippen immer wie ein Mann, alles „pullte an einem Tampen“, oder was man sonst noch so sagen könnte. Es war riesig, wie Fritz Braun meinte.

Jedenfalls standen schließlich alle Boote an Land, ordentlich auf der Wiese von Willi Ernst aufgereiht. Jeder sorgte für die bestmögliche Winterschutzabdeckung. Der „KLABAUTERMANN“ stand unter einem gewaltigen amerikanischen Mannschaftszelt, das alle „Jumbo“ nannten. Das war sehr schön, denn man konnte, vor dem Wetter geschützt, trocken darunter arbeiten. Aber dann kamen die Winterstürme, und Bernd und ich kämpften oft bis zum Umfallen, um den Jumbo daran zu hindern, einfach davonzufliegen. Im Sommer wurden bei Regenwetter die ersten SGU-Feste im „Jumbo“ gefeiert.

 

Ich werde nie das erste Frühjahr  vergessen. Im Februar war endlich ein warmer, sonniger Föhntag, und wir beschlossen, mit der Arbeit am „KLABAUTERMANN“ anzufangen. Wer beschreibt unser Erstaunen, als wir auf der Wiese ankamen? Alle waren da! Die einen lagen unter den Booten, die anderen hörte man aus dem Bootsinneren heraus, wieder andere saßen einfach selig in der warmen Sonne und stärkten sich mit einer Radlermaß und Würsteln vom Hexenhäusl. Wir hatten uns einen Seglerhimmel auf Erden geschaffen.

Langsam stieg die Mitgliederzahl. Bis auf seltene Ausnahmen wurden alle vom SGU-Gemeinschaftsgeist angesteckt. Und die Ausnahmen stellten meist noch während der Probejahre selbst fest, daß sie nicht so recht in diesen „Club“, der eigentlich gar kein Club war, hineinpaßten.

Auch die Einrichtungen wuchsen auf wunderbare Weise. Natürlich war der Steg bald zu kurz, und natürlich konnte ich als Beamter, der dem Staat die Treue geschworen hatte, nicht illegale Bauten errichten. Fritz Braun fand die Lösung: Der „KLABAUTERMANN“ machte einen langen Tagestörn in die südlichen Buchten des Ammersees. Als ich zurückkam, erschrak ich doch. Da war der Steg, wie es mir schien, halbwegs bis nach Breitbrunn gewachsen. So was aber auch ?! Es gab ein paar erregte Verhandlungen, aber die wundersame Vermehrung der Liegeplätze wurde doch akzeptiert.

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