Wie alles begann (Gründungsjahr 1964) – 4. Teil

Eines Tages kam ein stattlicher Herr zur mir, von dem Karl May geschrieben hätte, dass man ihn schon an seiner aufrechten Haltung den Offizier ansehen konnte. Ob ich der Herr Heine sei? Ja! Ob es stimme, dass die SGU noch Liegeplätze habe? Ja, auch das stimme! Ob er noch Mitglied werden könne? Ja, es gebe eben die Satzungsbestimmung, dass er zwei Probejahre mitmachen müsse, aber unter dieser Bedingung könne er einen Aufnahmeantrag stellen.

Da gebe es noch ein paar Probleme. Welche denn? Ja, er sei Offizier, Major, Staffelkapitän der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck. Na und? Ich sei Korvettenkapitän der Reserve. Oh, das treffe sich ja gut! Aber er habe eigentlich gar kein richtiges Boot, er habe einen Katamaran. Na und? Wir hätten keine Klassenbestimmungen. Solange ein Segler in unsere Gemeinschaft hineinpasse, könne er von uns aus auch eine Badewanne segeln, aber eine gute Lösung sei das bestimmt nicht. Da könnte ein Katamaran schon überlegen sein. Ja, das sei er bestimmt, sagte der Herr. Und schließlich habe er noch eine Frage, er habe noch fünf Kameraden, alle seien Hauptleute und „Düsenjockeys“, flögen „Starfighter“ und segelten auch Katamarane. Ob die … ? Na und?

Katamarane waren damals etwas unerhört Neues. Dr. Bullmer, der Vorsitzende des Bayerischen Seglerverbandes, hatte, als ich vorsorglich fragte, gesagt: „Herr Heine, wir wissen es noch nicht! Handelt es sich um eine Modeerscheinung? Ist das ein Turngerät? Kann man diese Halbirren überhaupt zähmen? Wir haben nur Ärger mit ihnen, denn sie fetzen immer durch unsere Jollenfelder. Natürlich sind sie viel schneller als die Jollen, aber dann stehen sie wieder hilflos mit killenden Segeln im Winde. Kann man damit überhaupt richtig segeln? Wenn Sie sie aufnehmen wollen, bitteschön! Wir werden mit großem Interesse zuschauen!“ So wurde die SGU der erste Club des Deutschen Segler-Verbandes, der Katamaranseglern ein Zuhause bot und für sie Regatten ausrichtete, die auch bei größtem Argwohn aufmerksamer Fachzuschauer keinen Anlass zu Bedenken gaben. Sie hatte es nie zu bereuen. Ich bin stolz darauf, dass die SGU in diesem Jahr die deutsche Meisterschaft der „Tornado“ Klasse ausrichten darf.

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